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Rosa: Ein Schweinecomix

Ein Interview mit Ilse Kilic aus Wien

by Elke Zobl

1999


BIOGRAFISCHES
Zuerst einmal zum Biographischen: Können Sie mir etwas über ihre Person erzählen? Kommen Sie aus dem Kunstkontext? Wenn ja, was machen Sie sonst noch im künstlerischen Feld?

Ilse Kilic: ich bin schriftstellerin und filmemacherin, spiele in einer "experimentalpunkband" mit dem namen das fröhliche wohnzimmer. im buch "10 Jahre das fröhliche wohnzimmer" sind so ein bißl motiv und geschichte und so beschrieben also warum wieso und wie macht manfrau einen kleinverlag.

 

Aus: Ilse Kilic: Vom kleinen Esli und wie es in die Welt kam.
Teil 3, Comic, 2004, 40 Seiten, Euro 5,-, 3-901445-74-X

Bilder von: http://www.dfw.at/2/frame2.htm

 

INHALTLICHES UND MOTIVATION
Wie sind Sie dazugekommen, die Zeitschrift herauszugeben? Hatten Sie schon einmal mit Zeitschriften zu tun? Wenn ja, in welcher Form?

Ilse Kilic: ich habe vor 1979 die zeitschrift pflasterstein mit ein paar leuten gemeinsam herausgegeben und seither fast immer und immer wieder mitgearbeitet an Literatur/Kunst/Kultur/Politik Zeitungen und Projekten.

Wie würden Sie ihre Zeitschrift bezeichnen (Magazin/Zeitschrift/Zine/Comic...)? Wie kommen Sie zu ihrer Definition? Was hat Sie dazu bewegt, sich so zu entscheiden?

Ilse Kilic: es ist ein comic

 

Wie ist es zu dem Titel gekommen? Wofür steht der Titel?

Ilse Kilic: es gibt einerseits den titel "das fröhliche wohnzimmer. " das ist der titel, unter dem vile meiner künstlerischen produktionen, vor allem die mit anderen leuten gemeinsam laufen. das fröhliche wohnzimmer ist auch ein klein-non-profit-verlag. der titel: vom kleinen esli und wie es in die welt kam parodiert einerseits das genre autobiografie, es ist aber auch ein autobiocomix, andererseits klingt ein bißchen der titel: "vom golem und wie er in die welt kam" an.

Aus welchen Gründen geben Sie die Zeitschrift heraus? Mit welchem Ziel?

Ilse Kilic: damit sie andere leute lesen.

Wie setzt sich der Inhalt zusammen? Setzten Sie einen Schwerpunkt?

Ilse Kilic: es gibt einerseits die zeitschrift "wohnzimmer", die macht fritz widhalm, ich geh also mal davon aus, daß es hier um die von mir bertreuten "sondernummern" geht und die haben in dem sinn keinen schwerpunkt, außer daß es arbeiten von mir sind, die ich dort am richtigen platz finde. Es erscheinen aber, unter betreuung von fritz widhalm, auch andere sondernummern.

Wie läuft der Prozeß von der Planung bis zur Ausführung der Zeitschrift ab?

Ilse Kilic: naja ganz normal, erst planen+zeichnen+schreiben, dann kleben, dann kopieren, dann heften.

Sie arbeiten als alleinige Herausgeberin ihrer Publikation. Was hat diese Entscheidung motiviert?

Ilse Kilic: bin nicht allein

Können Sie bitte die Entwicklung vom ersten bis zum letzten Heft kurz beschreiben?

Ilse Kilic: gibt nicht kontinuierliche Hefte

HINTERGRUND
Welches Zielpublikum/LeserInnenschaft/Verbreitung hat die Zeitschrift?

Ilse Kilic: interessierte neugierige gleichgesinnte

Welche Auflage/Druckform hat die Zeitschrift und wie wird sie vertreiben?

Ilse Kilic: kopiert, 250 stück, auf bestellung, abos, bei veranstaltungen, mainzer minipressenmesse

Sind Sie für die Redaktion allein verantwortlich oder arbeiten Sie mit anderen zusammen? Wenn sie mit anderen zusammenarbeiten, geschieht das arbeitsteilig oder arbeitet jede/r für einen bestimmten Artikel?

Ilse Kilic: bei meinen nummern bin ich inhaltlich verantwortlich, technics werden zum
teil von fritz widhalm übernommen.


Wer macht die Gestaltung?

Ilse Kilic: gemeinsam

Welche Infrastruktur steht Ihnen zur Verfügung (Büro/zu Hause...)?

Ilse Kilic: zu hause-arbeitsraum

Wie sieht das feed back aus, das sie bekommen?

Ilse Kilic: briefe, kollegInnengespräche

Wie finanzieren Sie ihre Zeitschrift? Gibt es dazu Finanzierungsmodelle im Sinne alternativer Ökonomien?

Ilse Kilic: teilweise durch abos, teilweise läuft das als projekt der "das fröhliche wohnzimmer-edition", (kleinverlag), also insgesamt geht sichs einigermaßen aus (meistens).

Wie werden die AutorInnen vergütet (durch Freiexemplare, Publizität?) Ist die Publikation auf Freundschaftsbasis bezüglich Finanzierung angewiesen?

Ilse Kilic: freiexemplare - ist bei vielen kleineren zeitungen üblich

KONTEXT
Welche Verbindung sehen Sie zwischen der von Ihnen herausgegebenen Zeitschrift und der Frauenbewegung/zum Feminismus? Sehen Sie eine Verbindung zwischen ihrer Publikation und der Riot-Grrrl-Bewegung bzw. einer Do-It-Yourself-Philosophie?

Ilse Kilic: die verbindung ergibt sich dadurch, daß ich einfach feministin bin und daher in meinen arbeiten quasi immer eine verbindung habe, schon allein dadurch, wie ich die gesellschaft und die drin lebenden männer und frauen sehe. Es ist aber nicht, oder nicht immer so, daß ich das "thema feminismus" behandle und explizit darüber schreibe od. zeichne, sondern es ist in allen meinen lebensäußerungen selbstverständlich enthalten. do it yourself ideologie im sinne auch des aufabuens eines netzwerks von künstlerInnen ist wichtig. Das sehe ich auch als ein anliegen von Riot Grrrl.

Bewegen Sie sich in einer Zine-Gemeinschaft? Verorten Sie sich in der Subkultur?

Ilse Kilic: zine gemeinschaft: eher weniger. subkultur: eher ja, obwohl die übergänge hier oft nicht klar ausmachbar sind, zum beispiel in der literatur - etwa: texte im ORF auf der einen seite, arbeit für Radio orange=freies radio wien oder ähnl. auf der anderen. es geht für mich beim begriff subkultur aber um eine politische haltung, also etwa das verständnis von kunst als lebensform, verbindung von kunst und (über?)leben. daß man sich vorhandener möglichkeiten auch bedient, gehört für mich da dazu.

Welche Rolle spielt für Sie das Internet? Verändert diese Art von Publikation ihre Publikationspraxis?

Ilse Kilic: nein, daweil mal noch nicht

Wenn Sie sich als Künstlerin verstehen, welchen Kunstbegriff vertreten Sie? Warum verortet sich die Zeitschrift im Kunstkontext? Was ist Ihnen wichtig?

Ilse Kilic: zum verhältnis kunst/literatur zu "überleben"/arbeit hab ich mit petra ganglbauer (lebt zum teil in graz, vielleicht kennen sie sie?) eine veranstaltung ÜBERLEBENKUNSTARBEIT vor jahren organisiert, das ist ein sehr komplexes thema, ich hab mal in der zeitung ZOOM drüber geschrieben, unter dem titel, warum bücher, glaub ich und es gibt auch eine (vergriffene) wohnzimmersondernummer, widmungen, ist auch im ZOOM erschienen, zum Thema Kunst und Künstlerinsein. in dem von mir gemeinsam mit christine huber herausgegebenem buch WICHTIG KUNST VON FRAUEN haben wir speziell auf frauen usw. das thema behandelt, liegt aber schon länger zurück. einerseits ist eben kunst so eine nische, zugleich natürlich auch ein freiraum und eine lebensform z.b. für mich geworden. vielleicht kann man auch so sagen: wenn leute kunst machen, dann hält sich wenigstens der schaden, den sie anrichten (etwa durch unkontrollierte produktionsarbeit bzw. durch ausbeutung der sogenannten dritten welt, was ja automatisch mit dem weisse mitteleuropäerIn sein zusammenhängt) in grenzen. das meine ich natürlich zum teil ironisch, z.B., weil es sich ja keineR ausgesucht hat, da auf die welt zu kommen, oder blöde jobs zu machen, um sinnlose und gefährliche sachen zu produzieren. ich glaube aber, daß die kunst schon auf eine gesellschaft des "besseren" und freundlicheren miteinander verweisen kann. politisch würde das umverteilung nicht nur der vorhandenen ressourcen sondern auch der sogenannten gesellschaftlich notwendigen arbeit bedeuten, damit "alle" am kunstgeschehen, das ja auch ein entdeckungs und lust-geschehen ist, teilnehmen können. ähh? so ungefähr halt...

Herzlichen Dank!

( Interview via e-mail.)


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Kilic, Ilse: Rosa. Ein Schweinecomix, Wien: Das fröhliche Wohnzimmer 1997.

Dies.: Vom kleinen Esli und wie es auf die Welt kam, Wien: Das fröhliche Wohnzimmer, #1-#2, 1996.

Das fröhliche Wohnzimmer:
http://www.dfw.at/

wohnzimmer [AT] dfw.at

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