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regina

Ein Interview mit Regina Möller
aus Deutschland

by Elke Zobl

1999

BIOGRAFISCHES

Zuerst einmal zum Biographischen: Können Sie mir etwas über ihre Person erzählen? Kommen Sie aus dem Kunstkontext? Wenn ja, was machen Sie sonst noch im künstlerischen Feld?




regina, Null-Nummer, Oktober 1994
Das Große Herbstheft veröffentlicht über das Künstlerhaus Stuttgart (künstlerische Leitung:
Ute Meta Bauer)
Cover:
Photo: Susie Knoll
Stylistin: Susanne Kössinger, Photo Team Agentur, München
c-right: Regina Möller



Regina Möller: Ich bin nach meinem Abitur an die Ludwig-Maximilians-Universität in München gegangen und habe dort meinen Magister in Kunsterziehung, Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte absolviert. Meine Ausbildung liegt in der Geisteswissenschaft. Meine Praxis kommt z.T. aus meinen Berufserfahrungen. Um mein Studium zu unterstützen habe ich während meiner Studienzeit gejobt, u.a. auch im Kunstkontext und als Assistentin von meinem Professor, Prof. Hans Daucher.
Ich bin keine Künstlerin von Geburt oder 'Mythos', die von sich behaupten könnte: 'Ich wußte von Kindheit an, daß ich Bildende Künstlerin bin oder werden will.' Ich bin meinen Interessen nachgegangen und habe mir immer wieder die Frage gestellt, 'was heißt es Künstlerin zu sein', was kann ich damit ausdrücken. Wenn man z.B. Kinder fragt:" was willst Du einmal werden?", dann würde meine Antwort lauten: 'Regina Möller'. D.h. mein Interesse liegt in der 'selbständigen Arbeit' und der eigenen 'Identität' und 'Präsentation', die sich aus den komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen entwickeln kann und als Stimme wahrgenommen wird. Daß ich dies mit, in und von der Bildenden Kunst erarbeite ist für mich einerseits die Möglichkeit, was dieser Ort (mir) bieten kann, andererseits aber auch als Herausforderung an die Bildende Kunst sehe. D.h. ich hinterfrage die Bildende Kunst' als Betriebssystem und ihr Verhältnis zum Alltag, 'real life' und Medien/Politik.
Nach meinem Magisterabschluß bin ich nach Köln gezogen und von dort ein Jahr später nach New York gegangen. In N.Y. arbeitete ich in der Galerie von American Fine Arts & Co. Colin de Land und als Assistentin von Dan Graham.

In N.Y. habe ich vieles gelernt - auch, daß sämtliche Rubriken, Definitionen und Regeln, an denen ich schon immer - als Frau - meine Zweifel hatte - dort 'anders' behandelt, aufgegriffen und vor allem diskutiert wurden. Alltag, Media, Kunst - ihre Zirkulation und der Platz der 'eigenen' Stimme waren für mich die Selektionspunkte in N.Y., von denen aus ich gelernt habe, mich zu artikulieren.
Ende 1993 bin ich zurück nach Deutschland gezogen, nach Berlin, wo ich auch heute lebe und arbeite. Es war wichtig für mich, meine gesammelten Erfahrungen und Eindrücke von Distanz zu reflektieren, um die 'issues', die mich interessieren, zu formulieren. Ich bezeichne mein Vorgehen und Verlangen als 'Nahtstelle' oder 'Grey-Zone'. Dies wäre mir nicht möglich gewesen, wenn ich nicht den 'Alltag' mit all seinen Höhen und Tiefen in New York kennengelernt hätte. To get thrown into the mess of life and working it out from there. Ich bin fest überzeugt davon, daß ich dadurch einen ganz anderen Ansatz an Informationen, Wahrnehmungen und Hinterfragungen verschärfen konnte. Diese Erfahrungen und diesen Einblick kann man nicht kopieren.
Nahtstelle - Grey-Zone ist auch das Feld, das Ich als meinen 'Arbeitsplatz' strukturieren und formulieren will, der in einem 'scheinbar' identifizierbaren Modus operiert, aber noch nicht definiert ist. 'Meinen Arbeitsplatz gibt es noch nicht' (dies war der Titel meiner Einzelausstellung im Kunstverein München, März 1997)
Ich arbeite u.a. mit einem Anliegen, das die 'Bildende Kunst' wieder mit der 'Außenwelt' verbindet. In diesem Sinne - ich arbeite im Kunstbereich und neben der 'regina'-Zeitschrift gibt es Arbeiten von mir außerhalb des Print-Medias - Media-übergreifend.
Ich komme von daher ganz einfach von einem Interesse verschiedene Medien zu reflektieren, ihr 'kreatives' Potential zu selektieren, um Mechanismen, Rules zu dehnen und eine weitere Information innerhalb oder außerhalb dessen etwas als Diskurs zu bieten.. Sei es bildende Kunst, sei es Grafik, sei es Film, sei es Mode, etc. Meine Interessen und Fragen, wie auch Reflektionen und Suche nach Auseinandersetzung sind vielschichtig. Es gibt für mich keine Rubrikenzuteilungen: ich bin weder Model, noch Photographin, noch Stylistin, noch Architektin, noch Grafikerin, noch, etc. - und - ich arbeite mit ihnen und irgendwie biete ich eine Nahtstelle zwischen Kunst und Alltag, Kunst und Comic, Kunst und Media. Ich stehe dabei - mit meinem Einsatz/Interesse und Wollen- nicht unbedingt im Vordergrund. Ich arbeite auch im Hintergrund. Wichtig ist mir, daß die Charaktere sich formulieren und ein Anliegen da ist, das sich nicht in die Tradition des 'selling' Objects begibt. Es geht mir nicht um 'Ausstellungen' um 'auszustellen'. Ich will keinen weiteren 'show-room' als 'display'.
Abgesehen von 'regina'-Zeitschrift sind auch sämtlich meiner 'künstlerischen' Arbeiten 'Nahtstellen' zwischen Kunst und Alltag. Ich stehe Definitionen und deren Limitierungen sehr ambivalent gegenüber und das haben alle meine künstlerischen Arbeiten gemeinsam. Sie lassen sich nicht leicht kategorisieren, sind aber identifizierbar. Nur als Beispiel: Katzen-Baum, Puppen-Haus, Generation-Jeans, Embodiment-Label, Film oder wie meine Arbeit 'Meinen Arbeitsplatz gibt es noch nicht'.

 

INHALTLICHES UND MOTIVATION

Wie sind Sie dazugekommen, die Zeitschrift herauszugeben? Hatten Sie schon einmal mit Zeitschriften zu tun? Wenn ja, in welcher Form?


Regina Möller: Die Zeitschrift entwickelte sich ganz 'natürlich' aus meinen Erfahrungen, Interessen, Ideen und 'Arbeit'. Ideen entspringen nicht einfach so, sie kommen aus DER Arbeit. 'regina' ist die logische Fortsetzung der Arbeit 'Film', die ich 1993 auf der 'Aperto'-Venedig Bienale zeigte. Schon mit 'Film' setzte ich Signale, daß es mir nicht um ein verkaufbares, zur Schau stellendes Objekt bzw. ‚Objekt-Kunst' geht, sondern um einen Diskurs, und diesen als 'Ort' zu situieren.
Der Gedanke eine Zeitschrift zu produzieren, schwebte in meinen vielen (ungeöffneten) Schubläden im Kopf herum. Als mich Ute Meta Bauer, damalige künstlerische Leiterin des Künstlerhaus Stuttgarts, 1994 für eine Einzelausstellung einlud - war der richtige Zeitpunkt und Ort gekommen, diese -eine- Schublade zu öffnen und daran zu arbeiten. Nachdem ich mir die Geschichte des Künstlerhaus Stuttgarts näher ansah, stellte ich fest, daß unter der Leitung von Ute Meta Bauer, das Heft 'Meta' erschien und sozusagen diese Institution nicht nur als Ausstellungsfläche genutzt wurde, sondern ebenfalls als Produktions- und Distributionsort thematisiert wurde. Das war der Zeitpunkt, den Prototypen 'regina' mit Ute Meta Bauer zu starten.
Ich arbeitete in dem Alter von 4 bis 8 als Kinderfotomodell, hpts. für Print Medien. 'Eltern' war die Zeitschrift, in der ich hpts. veröffentlicht wurde und die u.a. auch meine Agentur wurde, da PhotographInnen nach mir für andere Einsätze fragten.



regina, No.2, März 1997
Das Große Frühjahrsheft
veröffentlicht über den Kunstverein München (Direktor: Dirk Snauwaert)
Cover:
Photo: Susie Knoll
Stylistin: Diana Miller, Photo Team Agentur, München
c-right: Regina Möller


Wie ist es zu dem Titel gekommen? Wofür steht der Titel?




regina, No.3, Mai 1998
veröffentlicht von artranspennine (Gast-Kuratorin: Iwona Blazwick)
Cover:
Photo: Nigel Steer
Stylist: Michael Anthony
c-right: Regina Möller

Regina Möller: Die Zeitschrift heißt 'regina', ,ist 'regina' und nicht Regina Möller. 'regina' adaptiert das Format von bekannten 'mainstream' Mode-Frauenzeitschriften, wie 'Brigitte' oder 'Petra'. Es ist aber 'regina'. Sie läßt sich weder als Mode-Frauen- Zeitschrift, noch als Kunstkatalog kategorisieren. Sie paßt weder in die Schublade eines Zines, eines Comics, einer Frauen-Modezeitschrift oder eines Kunstkatalogs. Sie taucht zwar z. Teil in Zeitschriftenständern auf, ist aber dennoch nicht definierbar.
'regina' - hat auch eine 'reale' Person als Konstante hinter sich. Regina Möller, die hinter jeder Produktion steht. Dennoch 'regina' ist nicht die persönliche Regina Möller. Ich komme darauf später noch zurück.
'regina' ist eine Nahtstelle zwischen Kunst, Comic und Mode - eine Interaktion von Kunst und Alltag. Es gibt dafür kein herkömmliches Spektrum von 'Eingliederung'. Aber sie arbeitet mit den Vehikeln, d.h. den 'Erscheinungsbildern' die als 'Wertmaßstab' und Bewertung gesetzt werden, um diese zu brechen. Wichtig ist dabei, daß ich keine Mimikry bin. Ich arbeite und suche mir Profis, aus all den Bereichen, die u.a. eine Zeitschrift mitausmachen und kreativ sind. Ich arbeite mit PhotographInnen aus dem Modebereich für das Cover, mit GrafikerInnen, mit StylistInnen, mit AutorInnen, TexterInnen, etc. Mit all diesen Personen stehe ich in Kommunikation für die jeweilige Produktion. D.h. es gibt mehrere meetings, Informations- und Ideenaustausch zu meinem vorgelegten Konzept und
Anliegen. In diesem Moment der Kommunikation, kommt es zu dem entscheidenden Punkt, daß sich das 'Projekt' zu etwas entwickelt. Ihr Know-How fließt mit ihrem Interesse, das wir in inhaltlicher Auseinandersetzung artikulieren, mit ihnen als 'Charakter' ein.

Aus welchen Gründen geben Sie die Zeitschrift heraus? Mit welchem Ziel?

Regina Möller: Ich kann es nicht leiden, wenn man etwas in einen (goldenen) 'Käfig' setzt. Das Natürliche wird solange kultiviert bis es als 'natürlich' verstanden wird. Eine Erleichterung von Stereotypisierungen. In diesem Sinne - nicht nur mass-media, auch die Bildende Kunst trägt dazu bei. Den goldenen Käfig kenne ich - als Frau und jetzt auch noch als Künstlerin - nur zu gut, und es war ganz einfach an der Zeit aus ihm herauszutreten. Für mich ist es wichtig, daß die Kunst oder meine Arbeiten ein breiteres Publikum ansprechen kann, was aber nicht impliziert, daß man in die Schiene von mass media geht. Es geht mir um einen Austausch, um Wechselbeziehungen, Informationen zu artikulieren und sie zu verbreiten und das bedeutet ein weites Spektrum zu reflektieren, sich damit auseinanderzusetzen und so zu erarbeiten, daß Informationen und die kreative Arbeit auf verschiedenen Levels gelesen werden können. Dies ist eine Auseinandersetzung ,die ich schon in der Vorproduktion von 'regina' z.B. mit Personen aus verschiedenen kreativen Bereichen eingehe und mit ihnen das zu artikulieren versuche. Es werden Maßstäbe und Größenverhältnisse verschoben, ähnlich des Prinzips der 'Collage'.

Wie setzt sich der Inhalt zusammen? Setzten Sie einen Schwerpunkt?

Regina Möller: Jede 'regina'-Ausgabe hat einen Themenschwerpunkt. Die Null-Nummer hatte zum Thema 'Reproduktion', die zweite Nummer 'Meinen Arbeitsplatz gibt es noch nicht', und die dritte Ausgabe 'women & production - class & distribution'. Je nach Thema wird auch die Text-Ausgabe des Heftes 'inhaltlich' strukturiert. D.h. für die Null-Nummer hatte ich haupts. Schon erschienene Interviews, Texte, Aufsätzen, etc. in editierter Form und in einem anderen Kontext und Ablauf wiedergegeben. Für die zweite Ausgabe lud ich hpts. Autorinnen und Autoren zu einem von mir vorgestellten Thema ein und für die dritte Ausgabe führte ich in erster Linie Interviews, die entweder als Frage/Antwort oder als O-Ton Erzählung in der 'Ich'-Form wiedergegeben wurden.


Wie läuft der Prozeß von der Planung bis zur Ausführung der Zeitschrift ab?

Regina Möller: Als erstes muß ich dazu sagen, daß die Produktion keiner Zeitschriften-'Redaktion' gleicht. Ich - als Regina Möller - stehe hinter dem gesamten Heft und Ablauf und bin sozusagen die Redaktion,, die alle (Erzähl-)Fäden und Bürokratien zusammenhalten muß.. Sämtliche Informationen, Texte, etc., aber auch Ausgaben, Kosten, etc. laufen bei mir zusammen als Ansprechspartnerin. D.h. es gibt keine langen Sitzungen mit permanenten hierarchischen Rücksprachen und Entscheidungen von Personen, die den gesamten Ablauf nur aus einem entfernten Blickwinkel kennen und entscheiden.
Ich arbeite für jede Ausgabe mit einem Team, das ich mit Hilfe der jeweiligen Institution, die das Heft finanziert und publiziert, zusammenstelle. Es gibt am Anfang eine Aufgabenzuteilung, aber interessant wird es dann, wenn die einzelnen Personen aus ihren Grenzen heraustreten, kommunizieren und dann damit den Charakter weiter mit mir formulieren. Ich arbeite auch mit einem Team, das sich nicht nur als technische versierte Profis versteht, sondern Interesse und Inhalte hat und will Wichtig ist bei der Produktion meine Anwesenheit und wenn nicht anwesend, zumindest, daß sie mich sofort erreichen können - ohne lange Schaltungen und Wege. Ich habe zu all den Personen in diesem Zusammenhang engen Kontakt. Wir kommunizieren und tauschen anhand der Produktion Ideen aus - darüber kann sich ein ganz neues Spektrum eröffnen, das in 'regina' miteinfließt. Auch an den bürokratischen Arbeiten bin ich beteiligt. Ich brauche sicherlich die jeweiligen Institutionen als Rückenstärkung, zur Finanzierung und als organisatorische Unterstützung, aber gleichzeitig unterstütze ich die Personen, indem ich parallel dazu daran arbeite und sie damit nicht allein lasse. Es gehört zu 'regina' und zu dem gesamten Thema und Inhalt - auch mit Budgets und Bürokratie zu arbeiten. Ich bin sicherlich auch ein control-freak bei dieser Produktion. Denn, ich habe keine Lust auf nachhaltige Mißstimmungen, aufgrund von (falschen) Zurückhaltungen, d.h. gewisse Schwierigkeiten nicht erwähnt und angegangen werden. Rücksprache, Tips, Zusammenarbeit, etc.- will ich haben und, selbst wenn das eine oder andere 'unmöglich' erscheint, dieses besonders zu erarbeiten und nicht aufgeben.
Als erstes muß der Budget-Rahmen stehen. Von diesem Rahmen aus, kann ich erwägen, ob eine Ausgabe von 'regina' möglich sein könnte. Selbst wenn das Budget bestimmte Vorhaben nicht einbezieht, geht es dann los, daß ich mit Überlegungen an die Institutionen herantrete, wie womöglich dies oder jenes doch zu finanzieren wäre. D.h. ich verlange als erstes ein definitives finanzielles Grundraster, von dem aus ich arbeiten kann und mich aber auch nicht abschrecken lasse, ein Konzept zu erstellen mit Vorhaben, die wichtig sind, aber evt. in der Finanzierungsmöglichkeit noch nicht miteinbegriffen sind, und dennoch realisiert werden können. Das macht 'regina' mit aus, das Interesse und der Einsatz der jeweiligen Institution, mit der ich 'regina' veröffentlichen will und veröffentliche. Der Ablauf der Produktion ist einem Koordinatensystem vergleichbar, indem verschiedene Kurven eingezeichnet werden. Und diese verhalten sich proportional - aber die eigentliche Aussage zeichnet schon andere Dimensionen innerhalb des Koordinatensystems.
Vorproduktion: Research - dafür habe ich Assistentinnen und Assistenten, mit denen ich an der gesamten Produktion eng zusammenarbeite und meine engen KommunikationspartnerInnen sind. Adressenkartei, Kontaktherstellungen, erste Besuche für Gespräche und Interviews oder per Telefon, Materialsammlungen, Buchführung - permanente Buchführung über Ausgaben und Einfordern von Informationen, die von anderer Seite für 'regina' in Ausgabe stehen, Terminplanungen - Deadlines, transkribieren von Texten, Texte/Texten, redigieren von Texten, etc., Rücksprache mit Autoren und Autorinnen, Inhaltliche Auseinandersetzungen, Treffen und Interviews mit den Photographinnen, Stylistinnen und Grafik, Designerinnen, Vorstellen von 'regina'- Aufwand und Zeitplan.
Mit den Photographinnen und Stylistinnen für das Cover habe ich z.B. immer ein Vorgespräch (nach Zustimmung ihrerseits die Coveraufnahmen zu machen). Wir gehen dann, meinen Inhalt, approach, etc. durch und tauschen Ideen für das Cover aus. Make-up, Haare, Blick, etc. wird besprochen , um allem Vorbereitungen für das Shooting zu treffen.
Mit der grafischen Produktion ist es ähnlich. Die GrafikerInnen erhalten von mir die storyboards mit allen Einzelheiten von Bild/Text, Seitenablauf und Bild/Textmaterial. Das wird im Computer eingespielt. Dann geht die Arbeit mit ihnen zusammen erst richtig los. Ich sitze bei der Produktion tag-täglich neben den GrafikerInnen und wir gestalten Seite für Seite.
Dabei ist es für mich wichtig, daß sie nicht nur technisch vorgehen, sondern über ihr Verständnis, ihre Arbeit, die für mich ebenso 'kreativ' ist wie die 'bildende Kunst', anhand des Inhalts ihre Kritik, etc. äußern. Wir erstellen dann zusammen - in unserem Dialog - ein 'Grid' - eine Sprache - aus dem professionellen Grafik kommend, um ein individuelles Heft 'regina' zu formulieren. Das ändert sich von Ort zu Ort und von Team zu Team mit mir in Zusammenarbeit und schafft auch Verbindungen untereinander. Das Cover gibt die Signale dafür: Es arbeitet zeitlos. Nichts modisches oder eine Trendvermittlung ist zu erwarten. Die Portrait-Aufnahme ist ohne Kleidung, ohne Accessoires. Das, was 'Zeit' auf dem Cover aufgreift, ist mein 'Alter', älter werden, sich weiterentwickeln/aufwachsen und damit eine Verbindung zu den Inhaltsseiten, die Rubriken 'anders' thematisieren. Ich bin von daher eher den Psychologien eines Comics verwandt, als dem der Frauen-Mode-Zeitschriften.
Ich möchte hier betonen, daß 'regina' keine Mimik ist. Sie arbeitet mit verschiedenen Profis, ihren Sprachen, know-hows, um die Grenzen von Arbeits-/Aufgabenzuteilungen und Produktionen zu dehnen. Für mich ist es 'kreativ' ein 'cross'connected reading zu schaffen. Der Prozess der Produktion von 'regina' macht auch 'regina' mit aus. Schon im Vorfeld der Veröffentlichung gibt es eine starke Verbindung zu 'Realitäten' und im Prozeß der 'Entwicklung' von 'regina' wird ein Charakter formuliert, der zwischen Dokumentation und Fiktion steht.


Sie arbeiten als alleinige Herausgeberin ihrer Publikation. Was hat diese Entscheidung motiviert?

Regina Möller: Ich glaube diese Frage, habe ich schon mehr oder weniger in den oberen Kapiteln beantwortet. Wie gesagt, 'regina' als Zeitschrift ist in ihrer Produktion mit herkömmlichen 'Redaktionen' nicht vergleichbar. Das macht 'regina' aus ist auch langwieriger, unstetiger, man kann nicht abschätzen, was demnächst kommt oder wann. Sie ist uneinschätzbar und trotzdem identifizierbar geworden. Darauf bin ich stolz. Sie wird solange leben und mit mir wachsen und älter werden, solange ich sie am Leben erhalten will. An einer Zeitschrift arbeite ich ca. 6-8 Monate full-time. Das kann sich keine Zeitschrift auf dem Markt leisten.


Können Sie bitte die Entwicklung vom ersten bis zum letzten Heft kurz beschreiben?

Regina Möller: Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Da die Entwicklung aus sich herauskommt. Dazu gehört auch ein feed-back, Resonanz. Ja, vielleicht kann ich soviel dazu sagen, daß ich nach der Null-Nummer, obwohl es eine reduzierte Auflage hatte (1000 Auflage) und ein limitiertes Leserinnen-Publikum, ich soviel positive Resonanz bekam und mich entschied, ein weiteres Heft zu produzieren. Das dritte Heft, was vielleicht auch interessant ist, entstand als mein Beitrag als 'Künstlerin' für die internationale Gruppenausstellung 'artranspennine'98'. 'Artranspennine ist eine Partnerschaft/Organisation zwischen Tate Gallery Liverpool und Henry Moore Scultpure Trust in Leeds. Ich wurde neben 50 internationalen Künstlerinnen für die Ausstellung eingeladen und der Vorschlag kam von Iwona Blazwick (Gastkuratorin für die Ausstellung), daß ich eine weitere
Nummer der 'regina' Zeitschrift herausgebe. Es hat mich gefreut, daß ich gezielt auf 'regina' als Kunst-Beitrag angesprochen wurde, außerhalb von Deutschland (die ersten beiden Hefte waren in Deutsch). An der 3ten Nummer habe ich mit Iwona Blazwick eng zusammengearbeitet und es freut mich sehr, wie die Zeitschrift als 'Beitrag' und anders als Produkt für 'Bildende Kunst ' gelesen wird und kann.

HINTERGRUND

Welche Auflage/Druckform hat die Zeitschrift und wie wird sie vertreiben?

Regina Möller: Ich fange mit ihrer Frage in Beantwortung von hinten an. Die Zeitschrift hat in den ersten beiden Ausgaben eine Auflage von je 1000 und die 3te Nummer 2000. Das heißt sehr begrenzt, kleinen LeserInnenkreis. 'regina' arbeitet von innen nach außen. Sie wird innerhalb des Kunstkontext produziert, aber auch zum Teil an Kiosken distribuiert. Das Publikum in einer Kunstinstitution wird genauso überrascht sein wie ein Publikum am Kiosk. Es ist sicherlich keine wissenschaftliche Publikation in dem und dem Fachgebiet, aber es greift, wissenschaftliche Texte von Autoren und Autorinnen, die in bestimmten Zielgruppen nur gelesen oder wahrgenommen werden auf. Es ist eine Collage und eine eigene Identität. 'regina', die kommuniziert, informiert und unterhält. Für mich gibt es die Grenzen von Alter und damit verbundenen 'Wissen' nicht, wenn es keine Kommunikation gibt. Ich arbeite mit Personen, die sind z.T. jünger oder auch wesentlich älter als ich. Ich kommuniziere und bin neugierig für sämtliche Altersgruppen. Ich beobachte z.B. gerne Teenager. Ich mag ihre Rebellion und gleichzeitig, sehe ich mich selbst, wie ich meine Erfahrung in dieser Rebellion nicht wiederfinden kann. Aber , sie setzen Zeichen und das werde ich nicht aufgeben zu beobachten und mit ihnen auszutauschen.

Wer macht die Gestaltung?

Regina Möller: Auch was die Gestaltung betrifft, beantwortet - s.o.

Welche Infrastruktur steht Ihnen zur Verfügung (Büro/zu Hause...)?

Regina Möller: Für die Produktion und Realisierung von 'regina' hatte ich soweit immer
Institutionen hinter mir. Von deren Basis an Infrastruktur satelliere ich.

Wie sieht das feed back aus, das sie bekommen?

Regina Möller: Ich kann mittlerweile sagen: 'regina' ist eine Stimme geworden, die sich nicht kopieren läßt und nicht kopiert werden kann.

Wie finanzieren Sie ihre Zeitschrift? Gibt es dazu Finanzierungsmodelle im Sinne alternativer Ökonomien?

Regina Möller: Dafür kann ich kein Modell bieten, schon gar kein Rezept. Es ist ein permanentes Thema, das man auch nicht umgehen und auslassen sollte. Und die Kunst, muß sich dies noch eingestehen, daß sie auch in einem 'business' operiert.. Aber, ich verwehre mich gegen ein Rezept. Für mich ist wichtig, daß es zum Thema kommt, aber nicht am 'Geld' scheitert.

Wie werden die AutorInnen vergütet (durch Freiexemplare, Publizität?) Ist die Publikation auf Freundschaftsbasis bezüglich Finanzierung angewiesen?

Regina Möller: Ihre Frage ist sehr direkt und gleichzeitig 'offen'. Wie o. beschrieben, ich muß den Budgetrahmen kennen und damit umgehen. Es ist wichtig für mich - keine Kompromisse wegen Budgetprobleme einzugehen, sondern aus diesen bekannten Grenzen dennoch Issues herauszuarbeiten, realisieren zu können. Mit sämtlichen BeteiligtInnen, BeitragerInnen an den Ausgaben von 'regina' werden die 'Vergütungen' von Anfang an besprochen und eingehalten.

KONTEXT

Welche Verbindung sehen Sie zwischen der von Ihnen herausgegebenen Zeitschrift und der Frauenbewegung/zum Feminismus? Sehen Sie eine Verbindung zwischen ihrer Publikation und der Riot-Grrrl-Bewegung bzw. einer Do-It-Yourself-Philosophie?

Regina Möller: DIY ist eine meiner aufgegriffenen Philosophien. Der Katzen-Baum ist z.B. nach einem knockdown Prinzip konstruiert worden, das ein erweitertes off-shoot von DIY ist. 'Film', 1993 war ebenfalls eine DIY Philosphie.

Bewegen Sie sich in einer Zine-Gemeinschaft? Verorten Sie sich in der Subkultur?

Regina Möller: Wenn, dann bin ich eher 'a cultural terrorist'.

Welche Rolle spielt für Sie das Internet? Verändert diese Art von Publikation ihre Publikationspraxis?

Regina Möller: Eine lange und interessante Geschichte. Das Internet, Website, Cyberspace hat, abgesehen von schnellen Austauschmöglichkeiten, dennoch ein Problem der Anwendung und Zugang. Ich plane gerade mit ProgrammierInnen eine www. einzurichten., die 'easy' zu öffnen ist. Ich mag nichts weniger, als an der www. zu hängen und dann endlich eine box anzuklicken und dann gibt es mir keine connection, weil 'leer'.

Herzlichen Dank!

( Interview via e-mail.)


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Möller, Regina (Hg.): regina. Reproduktion, Stuttgart: Künstlerhaus Stuttgart, Oktober 1994.

Dies.: regina, München: Kunstverein München, 1997.

Dies.: regina, Manchester/Leeds/Liverpool: artranspennine (Partnerschaft zwischen Henry Moore Sculpture Trust und Tate Gallery Liverpool). 1998.

http://www.regina-magazine.de

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